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22. August 2013   Börse

Neue BaFin-Regeln für Performancegebühren

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Seit Juli gelten neue BaFin-Regeln für Performancegebühren bei Investmentfonds. Die Änderungen sind zwar begrüßenswert, gehen aber nicht weit genug. Wir zeigen Ihnen, was jetzt besser ist, was noch besser werden muss und was die Neuerungen für Anleger bedeuten.

Im Schwarzbuch Börse der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. aus dem Jahr 2009 kritisierten die Anlegerschützer ausführlich die erfolgsabhängige Vergütung – oder auch: Performancegebühr – im Rahmen aktiv gemanagter Fonds. Die Kritikpunkte: intransparente Kostenstrukturen und unfaire Berechnung zulasten des Anlegers. Seit Juli dieses Jahres gelten neue Regeln für die Erhebung einer Performancegebühr, die den Anleger besser schützen sollen. Auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, aber nichtsdestotrotz gibt es noch Nachbesserungsbedarf.

Was ist eine Performancegebühr?
Eine Performancegebühr wird fällig, wenn ein aktiv gemanagter Fonds ein vorgegebenes Performance- bzw. Kurs-Ziel übertrifft (=Benchmark) und soll dem Fondsmanager als Ansporn und Belohnung dienen. Die Gebühr wird dabei auf die Differenz zwischen Entwicklung des Fonds und Zielmarke erhoben und beträgt üblicherweise zwischen 5 und 25 %. Das Ziel, das erreicht werden muss, kann vielfältig sein. Es kann das Outperformen (= besser abschneiden gegenüber) einer Benchmark (z.B. ein Index) sein oder, ganz simpel, ein Anstieg des absoluten Anteilswerts gegenüber der vorherigen Abrechnungsperiode bzw. ein neuer Höchststand des Anteilswerts.

Seit einigen Jahren sind Performancegebühren stark im Kommen. Rund 400 in Deutschland aufgelegte Publikumsfonds verlangen nach Schätzungen des Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) von ihren Anlegern eine Performancegebühr. In diesen Fonds werden ca. 25 % des in deutschen Wertpapier-Publikumsfonds angelegten Vermögens von 243 Mrd. Euro verwaltet. Der zunehmende Trend hängt vor allem damit zusammen, dass immer weniger Privatanleger ihr Geld in aktiv gemanagte Wertpapierfonds investieren. Somit muss der Vertrieb zur Neuakquisition von Kundengeldern intensiviert werden und das kostet Geld in Form von Provisionen. Diese müssen zunehmend aus der jährlichen Managementgebühr geleistet werden, wodurch der Ertrag der Fondsgesellschaft unmittelbar geschmälert wird. Über die Performancegebühr hat man ein Mittel und einen Weg gefunden, dieser Erosion Herr zu werden. Gut für die Fondsgesellschaft, schlecht für den Anleger, der neben der Managementgebühr nun auch noch über die „Ersatzmanagementgebühr“ belastet wird. Besonders problematisch ist dabei, dass eine solche Performancegebühr oft bei Fonds erhoben wird, die von vornherein eine hohe Kostenquote haben. Nach Abzug von Gebühren bleibt dann kaum noch eine Anlegerrendite übrig.

Dreiste Praktiken
Um Anlegern eine Performancegebühr aus der Tasche zu ziehen, wandten Fondsemittenten in der Vergangenheit Tricks an, die man mindestens als fragwürdig bezeichnen kann. In einigen Fällen wurde beispielsweise die Abrechnungsperiode auf einen Monat oder ein halbes Jahr festgelegt, um öfter abkassieren zu können und auch kurzfristige Performancegewinne mitzunehmen. Zu bedenken ist hierbei, dass nur wenige Fondsmanager ihre Benchmark langfristig übertreffen. Genau aus diesem Grund wurden die Abrechnungsperioden in kürzere Intervalle unterteilt. In anderen Fällen wurde die Hürde, bei der eine Performancegebühr nach der absoluten Wertsteigerung fällig wird (Hurdle-Rate-Modell), auf das Überschreiten der Null-Linie festgesetzt. Der Fondsmanager hätte also allein dafür Geld kassiert, dass er das Fondsvermögen auf die Bank gebracht hätte und dort zum Marktzins angelegt hätte. Wahrlich eine grandiose Managementleistung, die es unbedingt mit einer Gebühr auszuzeichnen gilt. Andere findige Fondsgesellschaften zogen Indices als Benchmark heran, die nicht zur Anlagestrategie des Fonds passten und leicht zu schlagen waren.

Im schlimmsten Fall mussten Anleger sogar für den Wertverlust ihrer Anteile eine Performancegebühr blechen. Nämlich dann, wenn die Benchmark noch größere Wertverluste zu verzeichnen hatte und sich der Fonds relativ besser entwickelte. Beliebt war auch die Berechnung der Performancegebühr mithilfe des Brutto-Anteilswerts, also ohne Abzug der jährlichen Fixkosten. D.h. man hat praktisch eine Performancegebühr auf die eigene Managementgebühr erhoben. Da fehlen einem einfach die Worte…

Neue Regeln
Um den eben beschriebenen Wildwuchs bei der Performancegebühr einzudämmen und den Anlegerschutz zu verbessern, gelten seit Juli 2013 neue Regeln. Die wichtigste Änderung ist sicherlich die Einführung eines Verlustvortrags, das heißt: Fondsmanager müssen erst die Performanceverluste zur Benchmark der letzten fünf Jahre aufholen, bevor eine Performancegebühr erhoben werden darf. Auch das Festschreiben der Abrechnungsperiode für die Performancegebühr auf mindestens 12 Monate ist ein wichtiger Schritt zu mehr Fairness, denn so wird die langfristige Entwicklung des Fonds belohnt. Außerdem ist nun besser geregelt, welche Voraussetzungen Fonds erfüllen müssen, um die Performancegebühr nach Benchmark- oder Hurdle-Rate-Modell zu berechnen.

Die Änderungen seit Juli 2013 im Überblick:

Performancegebühr mit Benchmark
Performancegebühr mit Hurdle-Rate

•    Diese Variante ist nur zulässig, wenn die Benchmark sinnvoll ist, wenn also ein Anlageschwerpunkt in den Besonderen Vertragsbedingungen bestimmt wurde und die Benchmark zur Anlagestrategie des Fonds passt.

•    Die Performancegebühr wird nur bei Outperformance der Benchmark fällig, bei relativ negativer Entwicklung gibt es einen Verlustvortrag auf die nächste Abrechnungsperiode. Erst wenn die Outperformance in der nächsten Abrechnungsperiode den Verlustvortrag übersteigt, wird die Performance Fee fällig.

•    Negative Verlustvorträge werden von Abrechnungsperiode zu Abrechnungsperiode summiert. Negative Vorträge der vorangegangenen fünf Abrechnungsperioden werden berücksichtigt.

•    Die Abrechnungsperiode darf nicht kürzer als 12 Monate sein, sie kann jedoch darüber hinausgehen und muss nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen. Wenn eine Performancegebühr nachträglich eingeführt wird, so beginnt die erste Abrechnungsperiode mit Inkrafttreten der neuen Kostenregelung.

•    Die Berechnung der Erfolgsgebühr erfolgt erst nach Abzug der jährlichen Fixkosten.

•    Diese Variante muss gewählt werden, wenn in den Besonderen Vertragsbedingungen kein Anlageschwerpunkt oder kein geeigneter Vergleichsmaßstab zu definieren ist.

•    Die Performancegebühr wird fällig, wenn der Anteilswert am Ende der Abrechnungsperiode den Anteilswert am Anfang der Abrechnungsperiode übersteigt ODER wenn ein bestimmter festgelegter Zinssatz einer als Vergleichsmaßstab herangezogenen Geldmarktanlage übertroffen wird.

•    Die Performancegebühr wird nur fällig, wenn der Anteilswert am Ende der Abrechnungsperiode den Höchststand des Anteilswerts, der am Ende der fünf vorhergegangenen Abrechnungsperioden erzielt wurde, übersteigt.

•    Die Abrechnungsperiode darf nicht kürzer als 12 Monate sein, sie kann jedoch darüber hinausgehen und muss nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen. Wenn eine Performancegebühr nachträglich eingeführt wird, so beginnt die erste Abrechnungsperiode mit Inkrafttreten der neuen Kostenregelung.

•    Die Berechnung der Erfolgsgebühr erfolgt erst nach Abzug der jährlichen Fixkosten.

Quelle: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Musterbaustein für Kostenregelung von Sondervermögen (ohne Immobilien-Sondervermögen)


Das große ABER
Die strengeren Regeln für Fondsmanager sind durchaus sinnvoll und begrüßenswert. Der Anlegerschutz wurde dadurch definitiv verbessert und auch die Transparenz der Performancegebühren wurde auf ein neues Niveau gehoben. Alles in allem also ein Schritt in die richtige Richtung – das Ende des Weges ist aber noch in weiter Ferne. Zumal die Regelungen zunächst nur auf in Deutschland aufgelegte Fonds anzuwenden sind. Die Emittenten werden die strengeren Regelungen einfach durch Verlagerung ihrer Aktivitäten ins Ausland umgehen, wo die Regelungen für die Performancegebühren derzeit noch deutlich lockerer sind.

Deutlich kritisch ist zu sehen, dass es auch nach der Neuregelung immer noch möglich ist, auch für Kursverluste Performancegebühren zu erheben, sollte sich die Benchmark schlechter entwickeln als der Fonds. Auch bei der fehlenden Eingrenzung der Gebührensätze, die teilweise 25 % und mehr betragen, muss noch nachgebessert werden. Ebenso kann die „Hurdle Rate“ immer noch willkürlich gesetzt werden, z. B. basierend auf einer Geldmarktanlage oder gar auf 0 %. Sein Geld auf Festgeld- oder Tagesgeldkonten verzinst anlegen kann jeder Privatanleger selbst. Dafür benötigt er keinen Fondsmanager, dem er dann auch noch Erfolgsgebühren bezahlen muss. Und wenn die Null-Linie einfach nur deshalb überschritten wird, weil sich einfach nur der Markt, in dem sich der Fonds bewegt, gut entwickelt und die Steigerung nicht auf den Fondsmanager zurückzuführen ist, dann ist das auch keine Leistung, für die das Management über eine Gebühr ausgezeichnet werden muss, finden auch die Morningstaranalysten.

Für Anleger, die nach mehreren Jahren immer noch auf Verlusten ihrer Fondsanlage sitzen, ist es zudem sicherlich ärgerlich, dass der Ausgleich des Verlustvortrags auf fünf Jahre begrenzt ist. Andererseits würde ohne diese Begrenzung die Schließung des Fonds drohen, da die Emittenten die „Lust“ am Management verlieren könnten. Für sie wäre es dann sinnvoller, den Fonds zu schließen und einen neuen, möglicherweise identischen, Fonds aufzulegen, mit dem wieder Erfolgsgebühren verdient werden könnten. Hier liegt also das Problem ganz grundsätzlich in der Existenz der Performancegebühr begründet.

Warum nicht einfach…
… Performancegebühren für Privatanleger komplett verbieten? Der Verweis der Branche, dass diese auch auf Spezialfonds – also Fonds, die sich an institutionelle Fonds richten – erhoben werden, hinkt. Die Vereinbarungen mit institutionellen Investoren dürften in aller Regel kaum so angelegt sein, dass beispielsweise für eine negative Performance Gebühren abkassiert werden. Auch dürfte die Gebührenhöhe aus Managementgebühr und Erfolgsgebühr für Spezialfonds deutlich niedriger sein, als in vielen Fällen bei Publikumsfonds.

Angesichts der Tatsache, dass nur die wenigsten Fondsmanager ihren Vergleichsindex schlagen und der starken Konkurrenz durch Indexfonds (ETFs), deren Verwaltungsvergütung deutlich unter der Managementvergütung von aktiv gemanagten Fonds liegt, verlieren Performancegebühren ganz grundsätzlich ihre Daseinsberechtigung. Die üppigen Managementvergütungen sollten Anreiz genug sein, sich für das Anlegerinteresse nach einer guten Fondsperformance einzusetzen. Und mit einer guten Performance gewinnt man ganz ohne zusätzliche Vertriebsleistung wieder neue Kundengelder und verdient somit praktisch die Performancegebühr durch die Hintertür, ohne Zusatzbelastung für den Anleger.

Abwägen
Prinzipiell muss jeder Anleger selbst entscheiden, ob er in einen Fonds mit Performancegebühr investieren möchte oder nicht. Wenn ja, sollte er anhand des Verkaufsprospektes genau prüfen, wie diese Gebühr berechnet wird und er sollte anhand der Performance des Fonds bewerten, ob der Fondsmanager dieses Geld auch wert ist. Dabei sollte man sich ganz grundsätzlich nie ausschließlich auf die Aussagen des Bankberaters verlassen. Hier ist Eigeninitiative gefordert. Der Berater ist selbst provisionsgetrieben.

In vielen Fällen wird der Anleger dann zu dem Ergebnis kommen, dass ein Aktienfonds ohne Performancegebühr oder besser noch ein ETF mit geringerer Verwaltungsvergütung die aussichtsreichere Alternative ist.

Carolyn Friesl, Redaktion AnlegerPlus



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